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Pflegenotstand in Deutschland - Verlierer bleiben die Patienten

16 Feb 2009

Gerade eben habe ich die Expertenrunde von Anne Will im Ersten mitverfolgt. Zum Thema “Pflegenotstand - Angehörige überfordert, Politik machtlos?” waren Gäste aus Politik und Gesundheitsberufen geladen. Dabei kam allerdings nur wenig Neues ans Tageslicht.

Die Situation der Pflege bleibt für Personal und Angehörige, vor allem aber für die Patienten zum Teil katastrophal. Zentrales Problem ist weiterhin der große Zeitmangel der professionell Pflegenden und die mangelnde Unterstüzung von pflegenden Angehörigen. Gerade im ambulanten Bereich müssen Pflegedienste mit minutengenauen Berechnungen für sämtliche Tätigkeiten hantieren. Individualität findet auf den Berechnungspapieren allerdings keinen Platz. Hinzu kommt eine immer umfassendere Dokumentation die ebenfalls sehr zeitintensiv ist

Auch Eva Ohlert berichtet über menschenunwürdige Bedingungen in verschiedenen Pflegeheimen ihrer beruflichen Karriere. Die Altenpflegerin bemängelt, wie sollte es anders sein, den Personalmangel. Es ist aber tatsächlich keine Seltenheit das bis zu 30 oder 40 schwerstkranke Patienten von zwei Pflegekräften im Frühdienst versorgt werden. Wie soll eine angemessene Versorgung da bitte stattfinden? Gefährliche Pflege ist die logische Konsequenz.

Wen wundert es da, dass viele Berufsangehörige nach Jahren im Job vor dem gefürchteten Burn Out stehen? Chronische Überlastung, Unzufriedenheit und dauerhafter Streß sind der perfekte Nährboden. Hinzu kommen Gewissenkonflikte und die Angst nicht allen Anforderungen gerecht werden zu können. Pflege bleibt Arbeit mit und am lebenden Menschen. Und auch die Pflegenden sind (hoffentlich) keine Roboter.

Angehörige bleiben oft ungefragt und fühlen sich allein gelassen. Pflege in den eigenen vier Wänden kann zum 24-Stunden-Job werden. Zudem existiert kein wirklich flächendeckendes Netzwerk von Tagespflegestätten. Eine Betroffene berichtet aus eigener Erfahrung. Zusammen mit ihrem demenzkranken Ehemann kämpft sie sich durch den Alltag. Satte 35 Kilometer trennen sie von der nächsten Tagespflege.

Eine wirkliche Lösung des Problems scheint nicht in Sicht. Die Politik macht dennoch den Eindruck sich auf dem richtigen Weg zu befinden, darf man den gesundheitspolitischen Vertretern von SPD und FDP Glauben schenken. Man klopft sich jedenfalls unverständlicherweise immer wieder selbst auf die Schulter.

Sicher darf man den schwarzen Peter nicht allein auf die Politik abwälzen. Was nützen Stammtisch-Parolen gegen unsere Volksvertreter? Davon bewegt sich nichts. Erst recht kein dekubitusgefährdeter Patient.

Die Verantwortung für das Bereitstellen und Durchführen einer angemessenen Pflege von hilfsbedürftigen Menschen darf nicht an den Einzelnen abgegeben werden. Da müssen viele Berufsgruppen ineinander greifen. Und soweit möglich eben auch Patienten und Angehörige.
Aus diesem Grund gebe ich Herrn Lauterbach in einer Aussage recht: Mit Geld allein ist das nicht zu schaffen.

Bleibt gesund!

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1 Kommentar to “Pflegenotstand in Deutschland - Verlierer bleiben die Patienten”

  1. 1
    Geballte Meinung (aber sowas von!) sagt:

    [...] müssen und die menschliche Beziehung zu den Patienten nicht darunter leiden muss. (siehe auch Pflegenotstand in Deutschland, [...]

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