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Pflegetheorie - Die sechs Stufen des Pflegeprozeß

16 Feb 2009

Einen Menschen zu pflegen erfordert die ständige Anpassung an die Bedürfnisse und Ressourcen des Hilfsbedürftigen. Für die ganzheitliche Versorgung des Patienten ist der Beziehungsaufbau zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigem unerlässlich. Ziel ist dabei die Kompensation der individuellen Probleme des Patienten. Dabei werden gemeinsam zu erreichende Ziele festgelegt, die den gesamten Prozeß überprüfbar machen.

Was in der Theorie so trocken klingt ist ein wichtiges Instrument für die praktische Umsetzung der Pflege. Das prozeßhafte denken in der Pflege ermöglicht neben der bedarfsorientierten Planung vor allem eine Beurteilung der Wirksamkeit. Zielsetzungen können überprüft und gegebenfalls angepasst werden. Zudem wird immer die Auseinandersetzung mit dem Patienten vorausgesetzt. Durch das Verständnis für die Abläufe in der Pflege kann so auch eine deutlich höhere Kooperationsbereitschaft der Patienten erreicht werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Dokumentation, die bis heute leider immer noch nicht ganz selbstverständlich von allen Pflegekräften gewissenhaft durchgeführt wird.

Der Pflegeprozeß ist ein Regelkreislauf der sich immer wiederholt und die Anpassung an Veränderungen erlaubt. Das Modell gliedert sich in sechs wesentliche Stufen:

1. Informationssammlung
Die Informationssammlung ist die eigentliche Grundlage für den Beziehungsaufbau zwischen dem Hilfsbedürftigen und dem Pflegepersonal. Schon beim ersten Patientenkontakt beginnt die Sammlung von Informationen. Außerdem kann diese Sammlung jederzeit erweitert oder verändert werden. Auch Angehörige und Eindrücke der Pflegekraft werden dort festgehalten.

2. Probleme und Ressourcen erfassen
Die wesentliche Grundlage für die eigentliche Planung der Pflege ist die Erfassung von Problemen und Ressourcen. Zentrale Fragen:
Was kann der Patient noch selbständig?
Wann benötigt er Anleitung?
Wo benötigt er Unterstützung?
Ressourcen und Probleme müssen für jeden Patienten individuell festgelegt werden. Verschiedene Assessment-Intrumente können eine Hilfestellung sein, nehmen der Pflegekraft aber nicht das Denken ab. Ein Pflegeproblem entsteht vor allem dann, wenn der Betroffene die eingeschränkte Selbständigkeit nicht aus eigener Kraft kompensieren kann. Unter Ressourcen werden neben den Fähigkeiten des Patienten auch Hilfsmittel und Angehörige in den Pflegeprozeß mit eingebunden. Eine der wichtigsten Ressourcen bleibt jedoch die Kooperationsbereitschaft des Pflegebedürftigen.

3. Pflegeziele festlegen
Durch die Pflegeziele, die in Kooperation mit dem Patienten festgelegt werden, wird der Erfolg der Pflege messbar gemacht. Die Pflegekraft sollte die mögliche Erreichbarkeit der Ziele nicht außer Acht lassen. Unerreichbare Ziele sind für die Motivation nicht gerade förderlich. Mit kleinen Schritten zum Ziel! Werden Pflegeziele vereinbart, geschieht das immer in einem festgelegten Zeitrahmen. So lassen sich Fortschritte, Erfolge oder Rückfälle gut messen und erlauben eine Anpassung der Pflegemaßnahmen.

4. Planung der Maßnahmen
Nun werden den Pflegezielen konkrete Maßnahmen zugeordnet, die zur Erreichung der Zielsetzung beitragen sollen. Diese geplanten Maßnahmen sind dann von allen Pflegenden verbindlich durchzuführen. Abweichungen müssen fachlich begründet und nachvollziehbar sein. Nur so kann der tatsächlich Erfolg der Maßnahmen überprüft und die Pflege daraufhin angepasst werden.

5. Durchführung der Pflege
Jetzt geht es ans Eingemachte. Auf Basis der Zielsetzung und der geplanten Maßnahmen wird die Pflege nun praktisch am Patienten durchgeführt. Immer in Abstimmung auf die momentane Situation des Patienten. Es muss eben nicht starr nach einem Plan gearbeitet werden. Ganz im Gegenteil. In einer Nacht kann viel passieren, beim Patienten kann sich viel verändern. Bei Abweichungen von der geplanten Pflege nur die fachliche Begründung nicht vergessen. Das macht es für alle transparent und einfacher.

6. Evaluation der Pflege
Nun folgt die abschließende Erfolgskontrolle des durchgeführten pflegerischen Handelns. Die Evaluation ist damit entweder der abschließende Teil der pflegerischen Arbeit oder die Basis für die bedarfsorientierte Weiterentwicklung der Pflege. Dabei stehen nicht Erfolg oder Mißerfolg im Vordergrund, sondern eher die daraus abgeleitete Konsequenz.
Wurden die Ziele erreicht?
Müßen Ziele überdacht und verändert werden?
Inwieweit muss ich meine Pflegeplanung anpassen?

Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Darstellung des Pflegeprozeß. Doch schon im Rahmen meiner Ausbildung konnte ich feststellen, dass man die einzelnen Schritte nach und nach verinnerlicht. Wirken alle Beteiligten entsprechend an der Umsetzung mit, wird die individuelle Pflege transparent und verständlich. Sieht der Patient das ebenso, habt ihr alles richtig gemacht.

Bleibt gesund!

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