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Praktisches Examen 2009 - Worauf kommt es an?

16 Jul 2009

Die Aufregung steigt, die Lernzeiten werden länger und die anfängliche Grundnervosität überschattet allmählich den gesamten Alltag. In wenigen Tagen ist es soweit - mein praktisches Examen zum Gesundheits- und Krankenpfleger rückt imer näher! Schon einmal habe ich voller Selbstbewusstsein gepredigt: “Vorbereitung ist alles!”
Und genau so ist es auch. Die kurze Vorlaufzeit auf der kardiologischen Station habe ich hinreichend genutzt um mich sowohl auf das Patienten-Klientel als auch die dort vorherrscheenden Krankheitsbilder einzustellen. Immer in enger Verknüpfung mit den erforderlichen Pflegemaßnahmen.

In knapp zwei Wochen wird dann also meine Lehrerin für Pflegeberufe neben mir in das Patientenzimmer schreiten um mir ausgiebig auf die Finger zu schauen. Allein der Gedanke läßt meine Sympathikusaktivität auf Hochtouren laufen. Doch an Flucht ist kaum zu denken. Ich will es nun endlich hinter mich bringen und dabei ein möglichst gutes Examen ablegen. Aber worauf kommt es an? Was sollte man beachten um sich nicht selbst ein Beinchen zu stellen?

Oberste Priorität hat natürlich die Sicherheit des Patienten. Solang es dem Patienten gut geht, geht es auch meiner Prüferin gut. Hoffe ich zumindest. Sicherheit bedeutet allerdings nicht nur die Sturzprophylaxe aus dem FF zu beherrschen. Alle Äußerungen bezüglich der Befindlichkeit des Patienten sollten nicht nur wahr- sondern auch ernstgenommen werden. Im Bedarfsfall ist eine sofortige Reaktion von Nöten.

Meine ganze persönliche Stärke liegt in der Beratung und Gesundheitsfürsorge des Patienten. Inzwischen ein großen Thema in der Krankenpflege. Nicht umsonst schimpfen wir uns nach absolvierter Ausbildung neuerdings Gesundheits- und Krankenpfleger. Hier lassen sich wunderbar sämtliche Prophylaxen einarbeiten. Ich nutze dafür oft die Grundpflege und arbeite mich sozusagen von Kopf bis Fuß vor. Intertrigoprophylaxe läßt sich eben nicht nur bei adipösen Patienten anwenden. Ich denke da zum Beispiel an Diabetiker, deren Zehenzwischenräume grundsätzlich gut abgetrocknet werden müßen.
Wer im dritten Ausbildungsjahr immernoch nicht in der Lage ist, die Pneumonieprophylaxe beim Waschen des Rückens anzuwenden, sollte sich spätestens JETZT seinen Partner schnappen um am lebenden Objekt zu üben. Bettlägerige Patienten sollten, grundsätzlich und immer, auf die Gefahren eines Dekubitus hingewiesen werden. Hier gilt: Es kann jeden treffen. Scheiß auf die Risikofaktoren. Das ganze Leben ist ein Risikofaktor. Ihr wendet schließlich Assesment-Instrumente, wie beispielsweise die Braden-Skala, schließlich auch für mobile Patienten an und aktualisiert diese regelmäßig.
Und auch das Thromboserisiko sollte immer wieder erwähnt werden. Erst kürzlich hatte eine meiner Klassenkameradinnen das Pech, eine tiefe Beinvenenthrombose ihr Eigen zu nennen. Zur Info: Das Mädel ist Anfang Zwanzig, Raucherin und schluckt nebenbei die Pille. Man muss also nicht unbedingt den gesamten Tag im Bett verbringen um eine Thrombose abzugreifen. Hey, das ist euer täglich Brot, nutzt dieses Wissen aus.

Ein weiterer großer Teil ist die Hygiene. Wann muss ich mir wie die Hände desinfizieren? Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig - und damit meine ich nicht, die Flasche mit dem Desinfektionsmittel noch vor dem Patientenzimmer auf ex zu trinken. Und by the way: Wenn ihr die verbale Gesundheitsberatung ordentlich durchzieht bleibt weniger Aufmerksamkeit an den Händen kleben. Generell sollte nach drei Jahren aber auch hier höchstens mal ein verzeihbarer Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Die Nervosität ist auch euren Prüfern klar. Natürlich solltet ihr aber bei wichtigen Tätigkeiten wie Verbandswechseln die oberste Priorität der Hygiene zukommen lassen. Eure Keime gehören nun mal nicht in eine Patienten-Wunde.
Gerade im Sommer solltet ihr auch einen Blick für die Räumlichkeiten haben. Stehen irgendwo alte Joghurts vom Vorabend herum? Liegt verschmutzte Wäsche im Raum? Läuft der Mülleimer mal wieder über?
Wartet nicht auf die Putzfrauen - deren Jobs sind sicher. Hier könnt ihr echte Bonuspunkte sammmeln und ein gewisses Maß an Übersicht vermitteln. Raumorganisation ist gerade in engen Dreibett-Zimmern enorm wichtig.

Dr letzte Punkt für heute ist die Dokumentation. Fasst euch kurz und bringt auf den Punkt, was sich während der Versorgung getan hat. Gibt es Fortschritte im Pflegeverlauf? In einer lückelosen Dokumentation sollten diese klar erkennbar sein. Nicht nur für die Prüfung - das ist eure Sicherheit wenn es um Rechtsfragen geht! Wie sieht die Wunde aus und womit wurde sie versorgt? Wie ist der Hautzustand und wurde dieser überhaupt schon einmal erfasst? Gibt es Möglichkeiten bestehende Assesment-Instrumente wie Schmerz- oder Dekubitus-Skalen zu aktualisieren? Gab es irgendwelche Besonderheiten wie neu aufgetretenen Husten oder andere erkennbare Veränderungen?
Drückt euch dabei klar und deutlich aus, schließlich sollten die Kollegen eurer Doku folgen können. Gleiches gilt für die Übergabe an die Station. Ihr sollt weder Romane noch Lebensgeschichten erzählen oder schreiben. Ihr sollt die aktuelle Situation möglichst präzise und anschaulich darstellen können. Als kleiner Tipp: Im Gespräch mit dem Patienten gerne mal die Versorgungs-Situation in den heimischen vier Wänden ansprechen. Hier kann man wiederum punkten. Im Zweifel ist es an euch, dem Patienten Möglichkeiten der Hilfestellung anzubieten. Der Kontakt zum Sozialdienst ist schnell geknüpft!!!

Alles in allem solltet ihr euch nicht vor Aufregung in die Inkontinenz-Hose machen. Zeigt den Prüfern, dass ihr in den letzten drei Jahren nicht nur mit dem Kopf auf der Schulbank gelegen habt. Ein wenig Selbstbewusstsein kann nicht schaden. Schließlich wollt ihr diesen Job die nächsten dreißig Jahre lang ausüben - jedenfalls die Meisten von euch.

Bleibt gesund (und tapfer)!

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3 Kommentare to “Praktisches Examen 2009 - Worauf kommt es an?”

  1. 1
    Frank sagt:

    Hier gibts ein kleines medizinisches Quiz, vielleicht interessant:
    http://medctr.de/index.php?page=quiz

  2. 2
    nikon camera reviews sagt:

    “Please, are you able to PM me and tell me couple of much more thinks about this, I am seriously admirer of one’s blog site.

  3. 3
    Jana H sagt:

    Würde mich über einen aktuellen Artikel für 2011 freuen! :-)

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