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Vom Zivi zum Examen (Teil 1) - Aus mir soll mal ein Pfleger werden…

16 Feb 2009

Im Oktober 2006 startet meine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Über Umwege lande ich endlich in einem Job, der nicht nur meine Persönlichkeit sondern auch meine Interessen anspricht. Unmittelbar nach der Schule sammele ich erste Erfahrungen im vielschichtigen Pflegebetrieb. Mit 18 Jahren beginnt im Sommer 2000 mein Zivildienst im Krankenhaus.

Anfangs völlig demotiviert, ärgere ich mich über die geplatzte Stelle im Hol- und Bringedienst und finde mich plötzlich im Schichtdienst des Stationsalltags wieder. Das diese Erfahrung später meine Empathiefähigkeit für die Situation der Patienten, die mit der ungewohnten Krankenhausumgebung zu kämpfen haben, entscheidend prägen wird, ist mir in diesem Augenblick noch nicht klar. Bis dato beschränkten sich meine Besuche im Krankenhaus auf den Bereich der Cafeteria.

Auch die Geschichte meiner Pflegekarriere beginnt in der Cafeteria. Aber in der für’s Personal. Zugegeben, die kardiologische Station der ich von nun an angehöre hat vor mir talentiertere Zivis gesehen. Und pünktlich waren die sicher auch. Doch von einem Tag auf den anderen klingelt der Wecker plötzlich um 5.00 Uhr in der Früh. Das ist als frischer und fauler Schulabgänger wie das schlagartige Ende deiner Jugend. Ein schlechter Witz. Ein Traum. Nicht wahr. Und schon gar nicht gewollt.

Da sitzt du nun zwischen fünf weißen, mehr oder weniger engelsgleichen Krankenschwestern. Der Hahn im Korb hat als einzigen Balzschmuck rote Augen im Repertoire. Dein gesamter Organismus leistet Schwerstarbeit um hinter dem Rot überhaupt den Hauch eines Auges erkennen zu lassen. Dafür steht der Rest auf Stand by. Gleiches läßt sich von der völlig überdrehten Nachtschwester leider nicht behaupten. Ohne Punkt und Komma wird sie zu meinem Entsetzen nur noch von ihren vier Kolleginnen übertroffen. Der Tablettenschrank war mir gleich aufgefallen!

Bemitleidenswerterweise verstehe ich nichts und verwandele mich vom Hahn im Korb zum Ochs vor’m Berg. Langsam keimt in mir die Frage warum ich hier eigentlich die Schlitzaugen habe? Ich verstehe nichts von dem was die da faseln. Doch ein Traum….
Pustekuchen! Gegen den grellen Klingelton der schlagartig meine Ohren betäubt war mein Weckton eine liebliche Sinfonie. Ich spiele mit dem Gedanken gleich nach Feierabend den Verteidigungsminister zu kontaktieren um die Verweigerung zurückzuziehen. Ich hab mir das mit dem Schießgewehr doch noch einmal überlegt. So moralisch waren meine Gründe nun auch wieder nicht, als dass man sie nicht über Bord werfen könnte.
Den grellen Klingelton interessiert das wenig. Die Kollegen noch weniger. Vielleicht spricht der Klingelton kein Fach-Chinesisch!?

Fünf Augenpaare reißen mir die Dienstkleidung vom Leib. Ohne Badehose folgt der Sprung ins kalte Wasser. Sekunden später finde ich mich auf dem langen Flur der Station wieder. Krampfhaft versuche ich in meinen Schuhen nicht einzuschlafen. Nach kurzem Sekundenschlaf stößt mein Kopf gegen eine Zimmertür. Ziel erreicht!
Der dunkle Flur und die Ungewißheit vor der anderen Seite der Tür werden vom Soundtrack der Klingelanlage begleitet. Bei einem Horrorfilm würde meine Freundin spätestens jetzt die Augen in meinen Schoss drücken.

Von einer Wachphase übermannt erlebe ich intensiv das, was sich später als Sympathikus-Aktivität herausstellen soll. Angriff oder Flucht? Aus Angst vor dem eigenen Gewissen entscheide ich gegen die Gründe meiner Verweigerung und greife an.
Hinter der Tür ist es dunkel. Es riecht leicht muffig. Pumakäfig-Aroma. In der Kopfnote Kölnisch Wasser. Aber auch die Fußnote macht dem Namen alle Ehre.

Schwester, ich brauch die Pfanne“, krächzt es aus der Dunkelheit. “Isset nicht n’ bißchen zu früh zum kochen?” erwidere ich verwundert. “Soll das ein Witz sein“, ärgert sich die alte Frau im ersten von zwei Betten. “Das ausgerechnet sie sich trauen das zu fragen. Ham’se mal auf die Uhr geguckt?“, zicke ich zurück. Der Blutdruck der Dame könnte inzwischen ohne weiteres die Twin Towers sprengen. Jeder Arzt würde ohne zu zögern eine ganze Flasche Nitro auf ex verordnen.

Ich will sofort die Schwester sprechen“, schnaubt die Oma wütend in ihren Damenbart. “Ich glaube die sprechen kein deutsch. Können sie chinesisch?“, entgegne ich in der Unbeschwertheit meiner beruflichen Position. “Das wird ein Nachspiel haben. Ich kenne den Professor seit vielen Jahren“, droht sie mit hochrotem Kopf. “Dann leihen sie sich doch bei ihm ihre Pfanne. Ich kann ihnen mit ziemlicher Sicherheit nur einen Wok anbieten“, waren meine letzten Worte.

Wieder zurück im Dienstzimmer sehe ich Engel fallen. So schnell werden aus gottesgleichen Himmelsboten, Kreaturen der Hölle. Statt verdientem Applaus ernte ich den interdiziplinärsten Wutausbruch meines Lebens. Inzwischen hat sich der Professor eingefunden, dessen erster Kaffee getrübt von meinem Lagebericht schlagartig das Aroma verliert. Den ersten Einlauf meiner Karriere erhalte ich selbst. Woher sollte ich denn auch ahnen, dass das die Mutter des Professors war!?

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3 Kommentare to “Vom Zivi zum Examen (Teil 1) - Aus mir soll mal ein Pfleger werden…”

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    [...] Sicherheit. Gerade im ersten Ausbildungsjahr betritt man eine völlig neue Welt. Selbst mit dem Zivildienst im Rücken musste ich mich zunächst an den Alltag auf den Stationen gewöhnen. Hinzu [...]

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